Nitro Circus Live im Hallenstadion am 9. Februar

Einige haben bestimmt bereits mitbekommen, dass die Crew um Travis Pastrana bald in Zürich ihr bestes geben wird. Am Dienstag, 9. Februar um 18:00 werden die Türen im Hallenstadion geöffnet, um 19:30 Uhr beginnt dann die Show. Wie im Trailer unschwer zu erkennen ist, haben die Jungs tatsächlich Nitro im Blut! Es gibt kaum eine Kombination, die sie noch nicht versucht haben.

Travis Pastrana steht im Interview von Busty Wolter Red und Antwort über die Europatour dieser Saison.

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Interview von Dirt Biker über die Europatour:
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Tickets und weiter Infos findet ihr hier:
http://www.hallenstadion.ch/events-tickets/2258/nitro-circus

Hallo Travis, willkommen zurück in Deutschland. Du bist gerade zurück von eurer Nordamerika Tour, wie ist es dort gelaufen?

Es hätte nicht besser laufen können, wir waren in den USA und Kanada und besonders in Kanada war das Publikum unglaublich. Es macht immer Spaß in Kalifornien zu sein, weil die ganze Actionsport-Industrie dort ist. Das coolste für mich war, dass mein ehemaliger Rennteamchef Roger de Coster mit seinem Sohn zu Besuch kam. Ich hätte niemals gedacht, dass ich Ihn bei einer Freestyle Show sehen würde.

Was war dein Highlight der Nordamerika Tour?

Mein Highlight war Ryan Williams. Der hatte vor der Tour angekündigt, bei jedem einzelnen Stopp – eine Weltpremiere landen zu wollen. Und wir anderen haben ihn ausgelacht! Denn es waren 24 Tourstopps. Ich habe in meinem ganzen Leben keine 24 Weltpremieren gelandet und ich würde sagen ich hatte eine ganz gute Karriere… und der wollte bei jedem einzelnen Event, und das noch auf zwei Sportgeräten, dem Scooter und dem BMX Rad, eine Weltpremiere feiern? Letztendlich hat er sieben geschafft, also im Schnitt bei jedem dritten Event. Das war schon ziemlich beeindruckend. Bei jedem Event ist er gestürzt, gestürzt, gestürzt, aber immer wieder aufgestanden.

Ryan sticht wirklich ziemlich hervor, er scheint fast gelangweilt vom Wahnsinn zu sein.

Sein Ziel war es, jedes Mal, wenn er einen neuen Trick auf dem Scooter gestanden hat, Ihn bei der nächsten Show auch auf dem Fahrrad zu landen. Er hat auf dem Scooter nur zwei Tricks gemacht, die er auf dem Rad nicht zeigen konnte. Aber mit dem BMX Rad hat er einen „Doublefrontflip 360“ (doppelter Vorwärtssalto plus eine 360 Grad Drehung, die Red.), was ziemlich wahnsinnig ist, und einen „1080 Frontflip“ (Vorwärtssalto mit drei seitlichen Drehungen, die Red.) gezeigt. Und bei der letzten Show hat er das mit einem „Frontflip 360 Tailwhip to late Barspin“ (das überforderte jeden Laien, selbst wenn wir es hier erklären würden… die Red.) sogar noch übertroffen! Solche Tricks gibt es noch nicht mal in Videospielen! Und das gab es bei uns live!

Letztes Jahr haben wir uns über den Triple Backflip von Josh Sheehan auf dem Motorrad unterhalten und du sagtest mir: „Vielleicht, wenn alles zusammen passt, ist das möglich.“ Und dann ist er ihn vier, fünf Monate danach tatsächlich gesprungen. Hättest du erwartet, dass sich die Dinge so schnell entwickeln würden?

Unser Ziel ist es sichere Landerampen für diese Tricks zu bauen. Wir arbeiten mit den Jungs von Bagjump zusammen und haben von ihnen diese Luftkissen erhalten, die wir bewegen konnten. Wir konnten sie auf eine Anhöhe legen und hatten dadurch einen Step-Up. Letztes Jahr habe ich dir bereits gesagt, dass Sheeny den Triple bereits in den Bagjump springen kann, aber er war dabei fast 30 Meter über dem Boden, beinahe zehn Stockwerke hoch! Der Trick war möglich, aber würde irgendjemand bereit sein dieses Risiko auf sich zu nehmen? Ich wäre dazu nicht bereit! Ich hatte schon Angst die Rampe überhaupt zu springen, geschweige denn drei Flips dabei zu machen! Und dabei hatten wir noch einen Airbag als Landung. Die Bagjump Leute haben uns dann ein Luftkissen gebaut, das etwas über einen Meter hoch war und das wir auf die Landeschräge legen konnten. Sie haben sich echt reingehängt um uns dabei zu helfen den Sport voran zu treiben. Bei den Nitro Circus Shows haben wir auch leichte Luftlandung, aber es tut immer noch weh, wenn man stürzt, aber hoffentlich hilft es dabei, dass sich niemand etwas bricht. Ok, ab und zu geht selbst damit noch etwas schief…

In den frühen Jahren des Freestyle Motocross musste man eher dicke Eier beweisen, heutzutage scheint es ohne solche Technologien nicht mehr weiter zu gehen…

Das ist interessante daran ist, dass es zu Beginn darum ging dicke Eier zu haben. Heute kommt es drauf an Fähigkeiten zu besitzen. Denn heute weiß man was möglich ist. Einen einzelnen Backflip kann man noch während des Sprungs in den Griff bekommen. Die BMXer springen heute dreifache Backflips mit voller Drehung. Sie zeigen Triple Backflip Tailwhips, Triple Backflip Nohanders, sogar vierfache Saltos mit Fahrrädern! Auf den Motorrädern springen wir Double Backflips mit voller Drehung auf die Baglandung, also zwei volle Saltos und einen 360. Aber alles muss perfekt sein. Sind diese Tricks möglich? Ja, wir haben es bewiesen. Konstant? Ich bin mir sicher, dass ein Fünfjähriger das gerade sieht, dann auf dem Trampolin trainiert und so vielleicht dahinter kommen wird. Man weiß aber dennoch, wie oft es schief gehen wird. Man braucht heute also die Technologien, aber auch die Fähigkeiten.

Du hast eben den vierfach Flip auf dem BMX Rad erwähnt. Ihr habt daraus sogar eine live Fernsehsendung gemacht, wer der erste sein würde, der diesen Trick landet. Ist das die Zukunft?

Ich hoffe nicht. Die Zukunft des Actionsports… die Dinge werden so riesig. Eine der schwierigsten Segmente unserer Shows ist eine derjenigen mit dem wenigsten Applaus. Ich schätze nur 10% der Zuschauer verstehen diesen Teil wirklich. Es geht dabei um die schwierigsten Backflips. Aber für die meisten Zuschauer ist ein Onehand Backflip das gleiche wie ein Seatgrab Backflip. Jeder Trick während eines Backflips ist für sie nur eine Flip Variation. Deswegen muss man immer noch einen drauf setzen, einen Double, Triple oder vierfachen Backflip. Ein Teil der Fahrer konzentriert sich auf den Style, der andere auf Weltpremieren. Das ist fast als ob sie sich zwischen Turnen und Freestyle entscheiden müssen. Ein Teil möchte etwas tun, was es noch nie gegeben hat, der andere Teil möchte einfach richtig gut aussehen.

Und bei Nitro Circus gibt es beides zu sehen?

Bei Nitro Circus haben wir eine gute Balance. Manche haben bock auf Style, zum Beispiel Jarryd McNeill, dessen Whips einfach brilliant sind. Wir haben Curtis Downs auf dem BMX Rad, der all diese Quadruple Tailwhip Doubleflips springen kann, aber sein Lieblingssprung ist ein 360 Tailwhip Indian Air. Er springt ab, wirbelt das Rad herum, hängt dabei wie Superman in der Luft und schaut dabei ins Publikum. Das Rad dreht sich, er dreht sich und es sieht verdammt gut aus.

Ist es eines der Geheimnisse von Nitro Circus, dass ihr immer wieder neue Talente in die Show aufnehmt?

Es ist echt cool, die OGs dabei zu haben, die Pioniere des Sports. Aber selbst ich bin nicht mehr dazu bereit, jeden Abend noch mal einen oben drauf zu setzen. Wenn eine gute Stimmung ist, dann versuche ich vielleicht mal etwas Neues. Aber das passiert nicht bei jeder Show. Ich habe eine Familie, eine Frau, zwei Kinder… Ich habe Spaß bei den Shows, aber wir haben die jungen Leute wie R’Willy, Ethan Roberts für die neue Generation der Tricks. Ethan fing übrigens als Spezialist für unsere lustigen Vehikel an. Und jetzt springt er Doublebackflip Nohanders und Doublebackflip Tailwhips auf den Dreirädern. Danach setzen er sich auf ein Hochrad, dann in eine Kühltruhe, dann springt er mit einem Mountainbike, gefolgt vom BMX Rad, danach wechselt er die Rampen und springt Doubleflips mit dem Pitbike. Und auf all diesen Fahrzeugen zeigt er harte Sachen. Er hat diese Nitro-Mentalität und will Spaß haben. Es heisst nie „Scooter sind nicht cool, Rollerblades sind nicht cool…“.

Bei Jungs wie Ethan habe ich mich schon oft gefragt, wenn der vielleicht bei großen Wettbewerben antreten würde, könnte er eine großartige Karriere haben. Aber vielleicht hat er jetzt sogar eine bessere?

Wenn man von den Besten der Welt umgeben ist und ständig Zugang zu Foampits und Luftkissen hat, dann steigern sich die Jungs, die wirklich mit Passion bei der Sache sind.  Es wird so verrückt, aber diese Atmosphäre inspiriert einen. Und ab und zu heisst es dann: „Hey, du solltest bei der Weltmeisterschaft antreten.“ Aber für die meisten unserer Athleten findet bei jeder unserer Shows die WM statt, das sind die besten Athleten und sie zeigen die besten Sachen!

Du warst derjenige, der den Sport auf neue Level gebracht hat. Nun hast du eine Familie, Kinder und bist nicht mehr bereit jeden Abend alles zu riskieren. Fühlst du dich wohl damit, den anderen jetzt dabei zu helfen ihre Träume zu verwirklichen und neue Level zu zeigen?

Mein Ziel ist es, dabei zu helfen, dass die Leute etwas über den Tellerrand blicken. Als wir das erste Mal die Frontflip Rampe hatten, war das ziemlich lustig. Ich sagte: „Ok, jeder mit einem Motorrad versucht jetzt einen Frontflip ins Foampit.“ Und jeder antwortete nur: „Ich mache das nicht!“ Ich schnappte mir also irgendein Motorrad von den Jungs und: braaaaap… Frontflip. „Ok, alles ist sicher, jetzt ihr.“ Ich muss ihnen also schon zeigen, was möglich ist, aber wenn das Foampit und die Luftkissen weg sind, dann ist es ihre Aufgabe. Ich helfe beim Bauen der Rampen und auf dem Weg zu neuen Tricks. Aber wenn wir gemeinsam herausgefunden haben, wie die Sachen funktionieren, dann ist es die Aufgabe der besten Fahrer der Welt, es aufs nächste Level zu bringen. Ich mache also noch alles selbst mit, aber nur so lange bis das Sicherheitsnetz weg kommt.

Musst du sie dazu überreden diese neuen Tricks zu machen?

Es sind weniger die Tricks als die Sprünge vor denen die Fahrer Angst haben. Die alten FMX Pioniere sind mitten ins Nirgendwo gefahren und haben sich dort riesige Sprünge im Gelände gesucht. Keiner wusste was für ein Absprung das ist, der konnte zehn oder 15 Meter hoch sein, in den Dünen, 50 Meter weit wie in Glamis. Es ging darum diese großen Sprünge zu finden. Heutzutage definiert jeder Freestyle als 23 Meter Sprungdistanz. Du hast einen drei Meter hohen Absprung, kennst die Höhe und den Winkel der Landung. Und die Jungs sind sehr, sehr gut über diese Rampen. Die besitzen mehr Talent als die Pioniere von damals, inklusive mir selbst. Aber ich versuche ihnen zu helfen indem ich ihnen erkläre: „Nur, weil es über diese Rampe nicht geht, heisst nicht, dass es grundsätzlich unmöglich ist. Lass uns die Rampe höher bauen oder die Landung steiler. Es muss zusammen passen, was können wir dafür tun?

Was ist die Motivation dahinter sich auf ein solches Niveau zu begeben? Ruhm, Geld, die Herausforderung?

Als wir „Action Figures“ gedreht haben, besassen wir kein wirkliches Budget, der Film wurde von dem, was wir grade so auf Tasche hatten, bezahlt. Schon im ersten Monat hatten wir unser Budget gesprengt. Wir hatten 200.000 Dollar in Rampen investiert, die nicht mal funktioniert haben, nur um Sachen herauszufinden für den vierfach Backflip oder Joleenes Doublebackflip auf dem BMX, Frontflips und Triple Backflips auf den Motorrädern und all so Zeug. Wir wussten, was wir tun ist ein Liebhaber-Projekt. Josh Sheehan ist auf eigene Kosten zwischen Events hergekommen und hat geholfen an den Rampen zu schweissen, genauso James Foster. Und das ist es, was mir so gefällt, dass die Jungs, die an der Spitze ihres Sports stehen, das nicht des Gelds wegen tun. Im Gegenteil, sie bezahlen sogar viel eigenes Geld, um herauszufinden, was menschenmöglich ist und die Grenzen zu verschieben. Es macht Spaß von solch motivierten Leuten umgeben zu sein.

Mein Eindruck vom Nitro Circus ist, dass es eine große Familei ist. Ist das tatsächlich der Geist dahinter?

Nitro ist eine große Familie. Oft werden wir gefragt: „Oh, ihr baut eure Rampen selbst? Warum habt ihr da kein Team für?“ Das könnten wir zwar haben, aber die wüssten nicht exakt, was wir wollen. Das ist keine Wissenschaft, wir tun Dinge, die noch nie vorher getan wurden, also muss man ein Teil davon sein. Für uns ist es cool, etwas von Anfang an aufzubauen und es ist eine große Familie.

Du hast zwei Kinder, wann werden sie Teil der Show sein, so dass es eine richtige Nitro-Familie ist: deine Frau auf dem Skateboard, du auf dem Motorrad, die Kinder als Teil der Show…

Bei jeder Show, wenn meine Frau diese riesige Giganta-Ramp hinunter fährt und neue Tricks versucht, gerate ich ins Schwitzen und wünsche, dass sie sich nicht verletzt. Mit den zwei Kindern ist es eine Vollzeit-Verantwortung für uns und wenn sich einer von uns verletzen sollte, haben wir ein echtes Problem. Aber es macht Spaß. Jeden Morgen weckt mich meine zweijährige Tochter auf und sagt „Daddy, Bike. Daddy, Bike.“ Sie liebt es auf einem Motorrad zu sitzen und hat schon etwas verstanden, wie der Gasgriff funktioniert.

Um was geht es bei dem Film „Action Figures“, der vor nicht allzu langer Zeit Premiere hatte?

Ich wollte einen Film für all die „alten“ Motorrad-Typen wie mich tun. All die alten Crusty Demons of Dirt-, MotoXXX-, Terrafirma-Videos, wo non-stop Action war und nichts erklärt wurde. Wenn man die nicht verstanden hat, dann hat man es einfach nicht verstanden. Heutzutage gibt es nur noch Dokus. YouTube ist gut, aber jeder postet sofort, was er gerade tut. Deswegen gibt es kein Video mehr, dass man sich angucken kann. Ich lege gerne eine VHS Kassette oder DVD ein, die im Hintergrund läuft. Mit  Fuel TV in den USA hatte man im Hintergrund immer Actionsport laufen gehabt. Heute gibt es nur noch Dokus, alles wird erklärt und dramatisiert. „Oh, dann fuhr er auf den Sprung zu. Und er…“ Nein! Bei Action Figures bekommst du knallharte Action. Action Figures dreht sich um Fortschritt, das nächste Level an Tricks. Und wir erklären gar nichts, dramatisieren nichts, nimm dir heraus was du willst. Wenn du non-stop Action mit Musik sehen willst, dann ist das dein Film. Wenn du möchtest, dass wir dir erklären warum es cool ist, dann schau dir etwas anderes an.

Wie sieht die Zukunft für dich, Nitro Circus und die ganzen Projekte aus?

Nitro ist so schnell gewachsen. Es gibt so viele neue Gesichter auf der Tour. Die Familie wächst, die Bühnen werden größer. Nächstes Jahr werden wir drei Shows an einem Wochenende haben. Wir werden also viel mehr Fahrer benötigen und werden viel neues für den Actionsport bringen. Wir haben die Nitro Academy, in der wir die besten Leute aufnehmen und sie mit unstrainieren, und wo sie von den besten Athleten der Welt lernen.

Wenn die Leute jetzt noch nicht überzeugt sind zu einem der Tourstopps in Deutschland oder der Schweiz zu gehen, warum sollten sie vorbei schauen?

Wenn man schon mal da war, dann weiß man es. Es ist wie eine Rockshow. Es ist hart zu erklären. Warum sollte man sich eine Actionsportshow angucken, vor allem wenn man kein Actionsport-Fan ist? Aber vom ersten Moment an springen alle auf, es ist die pure Energie! Warum geht man zu Konzerten? Bei uns weiß man nicht, was passieren wird, ob die Athleten die Tricks landen oder ob sie stürzen werden. Man sieht etwas, was noch nie vorher gezeigt wurde oder zumindest den Versuch davon. Aber das ist das Schöne daran: man fragt sich „Ist das überhaupt möglich?“ Und manchmal ist die Antwort „ja“ und manchmal „Nein“. Und letztendlich soll es dennoch eine Show für die ganze Familie sein.

Interview von:

Busty Wolter
Atze Entertainment GmbH
Neuenkamp 89
51381 Leverkusen

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