Ein weiterer Schweizer Motocross Routinier verlässt die Bühne

Da die Saison 2016 vorbei ist, erfährt man fast jede Woche News über die Gerüchteküche des Schweizer Motocross. Mit Wehmut erfuhren wir, dass Simon Baumann in Cossonay sein letzten Schweizermeisterschaftslauf in seiner Karriere fuhr. 

Simon hat über die letzten 20 Jahre viel zur Schweizer Motorradszene beigetragen. Ob Motocross, Supermoto oder Superstock, nichts lässt der zweifache Familienvater unberührt.

Angefangen hat alles im Jahre 1986 mit einer PW 50ccm. Sein Vater Rolf war früher ebenfalls erfolgreicher Motorsportler (Motocross, Autocross, Kart…). So war es voraussehbar dass auch Simon in den Motorsport verwickelt wird . Zu beginn seiner Kariere war Simon viel in Deutschland unterwegs und gewann fast alle 50ccm Rennen an welchen er startete. Eine komplette Meisterschaft fuhr er aber nie.  1988 war er schon auf Meisterkurs, als sich Vater Rölfi drei Rennen vor Schluss dazu entschied, dass jetzt ein Wechsel auf die 60ccm sinnvoll sei.

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Der erste Meistertitel war somit weg. 1991 folgte dann der Wechsel auf die 80ccm Honda, später in der Saison auf Suzuki.  Rölfi musste für die Saison 91 Simon’s Geburtsdatum etwas modifizieren, da das Mindestalter für FMS Mini 80 bei 10 Jahren lag. Der neunjährige war also Illegal unterwegs. Den ersten Schweizermeister Titel gab es dann 1994 auf der 85ccm. Fällig wäre er eigentlich schon 1993 gewesen, da aber seine Sturz-Durchschnitt-Rate von über 2.5/Lauf nicht sehr Hilfreich war, liess dieser dann noch bis 94 auf sich warten. Dafür doppelte Simon 1995 direkt nach.

Im Jahre 1998 fuhr Rolf mit dem erst 16 Jährigem Simon nach Roggenburg zum 250ccm WM Lauf. Als sie in den Rennpark fuhren und der Einweiser sie anhielt und fragten, wo sie am liebsten Parkieren wollen, antwortet Rölfi „Jo, Gib üs en Platz wo mier am Samschtig obig wieder guet usä chämet, dä Qualifiziert sich eh nöd!“ Rölfi lag falsch. Simon Qualifizierte sich mit dem 19 Platz Souverän für die Wertungsläufe am Sonntag. Im darauf folgenden Jahr fuhr Simon die komplette 125ccm WM Saison, und fuhr regelmässig Punkte nach Hause. Im Jahre 2000 gelang Simon mit dem Inter Open Schweizermeistertitel der grösste Erfolg in seiner Karriere.

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Mit nur 18 Jahren der bis heute jüngste Open Meister der Schweizer Motocross Geschichte. Danach kam jedoch in den Jahren 2001 – 2003: Kreuzband, Armbruch, Fussgelenk, Schlüsselbein, Schlüsselbein und nochmals Schlüsselbein. Nur wenige Rennen konnte Simon damals bestreiten. Danach lies sich Simon die Haare wachsen und einen Bart wuchern. Damit kam der Erfolg zurück. Frisch auf der Suzuki 250ccm 4-Takt, wurde er Supercross Schweizermeister, Vize-Schweizermeister FMS Swissmasters 125ccm. (hinter Philippe Dupasquier), SAM Inter Mx2 Meister.
Im darauf folgenden Jahr schmiss Simon den lang ersehnten Swissmasters 125ccm Titel beim letzten Rennen in den Dreck von Dättwil. Aufgrund eines kompliziertem Schienbeinbruchs fehlte Simon 2006 die ganze Saison. Nach hartem Training startete er seinen letzten Versuch auf den Swissmaster 125ccm Titel. Es folgten Siege in Frauenfeld, Payerne und dem ersten Lauf in Muri. Im zweiten Lauf brach sich Simon (ohne Sturz) erneut das geschwächte Schienbein und beendete (vorerst) die Motocross Laufbahn.

Weil es ganz ohne Motorrad doch noch nicht ging startete er 2008 & 2009 in der Supermoto Prestige Klasse und erreichte auf Anhieb zwei Vizemeistertitel hinter Philippe Dupasquier. Bereits nach zwei Jahren etwas gelangweilt wechselte er in der Saison 2010 weiterhin mit der Unterstützung von Suzuki in den Strassenrennsport. In der Königsklasse der Schweizermeisterschaft (Superstock 1000) fuhr er sogleich auf den dritten Rang der Meisterschaft.
Für 2011 war der Angriff auf den Superstock Titel geplant, als Simon im Herbst 2010 das Angebot erhielt für das Team KTM Switzerland (Sportchef Philippe Dupasquier) auf der brandneuen KTM SXF350 in die Inter Open Schweizermeisterschaft zurückzukehren. Eine Chance, die sich der damals bereits 29-jährige nicht nehmen lassen wollte. So unterschrieb er den 3 Jahresvertrag und begann sofort mit dem Fitnesstraining. Sein letztes Motocrossrennen lag 4 Jahre zurück und der Weg zur Spitze war hart. Die Saisons 2011 & 2012 verliefen zäh. Ende 2013 (nun auf der neuen SXF 450) erreichte Simon erstmals wieder das Podest, und im Frühling 2014 gewann er das Ostermontag Motocross Frauenfeld! Die Schweizermeisterschaft konnte er mit Rang 3 ebenfalls auf dem Podest beenden.

Das Karrierenende war aber noch nicht ganz erreicht…  Im Herbst 2014 unterschreibt er bei Hostettler Yamaha erneut einen 2 Jahresvertrag für die Motocross Schweizermeisterschaft. Er fuhr oft aufs Podest und gewann im Jahr 2016 erneut das internationale Ostermontag Motocross Frauenfeld! Wie er selbst sagt der wohl schönste Sieg seiner ganzen Laufbahn. Die letzte Saison beendete er auf dem respektablen 5. Platz.

Simon nimmt nun selber noch Stellung:

ISMX: Wirst du jetzt untertauchen?
SB: Nein natürlich nicht. Ich werde weiterhin als Team Chef des Motoperfections Yamaha Teams fungieren und somit an allen FMS Rennen präsent sein. Zusätzlich betreiben wir den Yamaha Rennservice an den SAM Rennen, wo ich auch weiterhin Spasseshalber mit meiner 125ccm 2-Takt mitfahren möchte mit meiner Goldigen Startnummer 99. Ich werde selbstverständlich auch beim Vorbereiten unserer Team Bikes die Hauptrolle als Test Fahrer für Motoren und Fahrwerk Setups übernehmen.

ISMX: Kommt uns dein Sohnemann Jarno bald auf zwei Rädern entgegen?
SB: Das wird sich noch zeigen. Er wurde erst drei Jahre alt. Zuerst muss er das Fahrrad beherrschen bevor wir überhaupt über einen Motor nachdenken können. *Simon lacht*

ISMX: Was ist dein Lieblingstier?
SB: „Hamschter, will er so herzigi Bäggli hät“

ISMX: Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht wie das sein wird wenn du in Zukunft nur noch am Streckenrand stehst während die MX Open Boys ihre Rennen bestreiten? 
SB: Es wird schon eine krasse Umstellung sein, aber ich bin mir sicher den optimalen Zeitpunkt für den Ausstieg gewählt zu haben. Ich bin nun wirklich bereit dafür und freue mich riesig auf die neuen Aufgaben neben der Strecke. Ich möchte unsere Teamfahrer nach ganz vorne bringen!

ISMX: Wo holst du deine Motivation her? Bis jetzt floss ja der Ehrgeiz für die Meisterschaft. 

Meine Motivation Erfolg zu haben fliesst natürlich direkt in unser Rennteam. Ich freue mich auch extrem wenn einer unserer Jungs Erfolg hat! Als Luca Bruggmann dieses Jahr in Muri seinen ersten Laufsieg feiern konnte war das auch für mich ein grosser Moment!

Text : Ernesto Baumann

Fotos: Simon Baumann

 

 

 

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