Ducati Desmo250 MX im Test: 15'000 Touren, die süchtig machen

16. September 2026
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Ducati baut sein Offroad-Programm mit hohem Tempo aus. Nach der Desmo450 MX folgt mit der neuen Desmo250 MX der nächste ernsthafte Angriff auf den Motocross-Markt. Im 04 Park – Monte Coralli in Faenza konnte ich die neue 250er während mehreren Stunden unter perfekten Bedingungen testen. Und eines wurde sehr schnell klar: Wer diese Ducati schnell fahren will, muss Drehzahlen mögen. Sehr hohe Drehzahlen.

Am 26. und 27. Juli ging es für die internationale Präsentation der neuen Ducati-Offroad-Modelle nach Italien. Für den Motocross-Test wartete mit dem 04 Park – Monte Coralli in Faenza eine entsprechend würdige Bühne. Regen hatte den Boden zuvor perfekt vorbereitet und sorgte für Bedingungen, wie man sie sich für einen Motorradtest nur wünschen kann.

Auch personell liess Ducati wenig anbrennen: Mit Antonio Cairoli, Alessandro Lupino und Antoine Méo waren gleich mehrere der ganz grossen Namen des Offroad-Sports vor Ort.

Für mich standen rund zwei bis drei Stunden Fahrzeit mit der neuen Desmo250 MX zur Verfügung – genug, um nicht nur ein paar PR-Runden zu drehen, sondern das Motorrad wirklich kennenzulernen.

15'000 Umdrehungen – und genau dort will sie hin

Der neue 249,7-cm³-Einzylinder mit desmodromischer Ventilsteuerung leistet laut Ducati 44,5 PS bei 12'500 U/min und 28,3 Nm bei 8'800 U/min. Noch eindrücklicher ist aber eine andere Zahl: 15'000 Umdrehungen pro Minute.

Ducati kombiniert den Motor mit einem Fünfganggetriebe samt Quickshifter, einem Aluminiumrahmen, voll einstellbaren Showa-Federelementen und einem umfangreichen Elektronikpaket mit verschiedenen Motormappings, Traction Control, Engine Brake Control und Launch Control. Fahrfertig ohne Kraftstoff gibt Ducati 103 Kilogramm an.

Auf dem Papier klingt das beeindruckend. Auf der Strecke musste ich allerdings zuerst lernen, wie die Ducati gefahren werden will.

Mein Fehler zu Beginn: Ich fuhr sie zu sehr wie ein Motorrad, das auch aus tiefen Drehzahlen heraus kräftig anschiebt.

Und genau dort konnte mich der Motor zunächst nicht überzeugen. Im ganz tiefen Drehzahlbereich fehlt mir persönlich Druck. Versucht man, einen Gang zu hoch aus der Kurve zu fahren und den Motor von ganz unten arbeiten zu lassen, wirkt die Desmo250 MX eher verhalten.

Dann stellte ich meinen Fahrstil um.

Mehr Drehzahl, einen Gang aggressiver fahren – und plötzlich zeigte die Ducati ein komplett anderes Gesicht.

Oben heraus wird die Ducati richtig stark

Sobald man den Motor in seinem bevorzugten Drehzahlbereich hält, geht die 250er richtig gut. Die Spitzenleistung hat mich definitiv überzeugt. Vor allem aber ist es beeindruckend, wie lange der Motor weiterdreht.

Mein persönlicher Wow-Moment des Tests kam vor einem Sprung.

Ich liess den Gang stehen, der Motor drehte Richtung 15'000 Touren – und normalerweise wartet man irgendwann darauf, dass die Leistung merklich abfällt und man schalten muss.

Bei der Ducati passierte das nicht.

Sie zieht weiter.

Gerade auf einer Motocross-Strecke kann das ein echter Vorteil sein. Statt unmittelbar vor einem Sprung oder zwischen zwei Kurven nochmals hochzuschalten, kann man einen Gang länger stehen lassen. Das Motorrad gibt einem dadurch teilweise eine zusätzliche Option bei der Linienwahl.

Die Kehrseite davon ist ebenfalls klar: Diese 250er möchte aktiv und mit Drehzahl gefahren werden.

Wer gerne im hohen Gang aus dem Keller beschleunigt, wird sich umstellen müssen. Für einen aggressiven MX2-Fahrstil passt der Charakter dagegen deutlich besser.

Handlich – aber nicht nervös

Beim Chassis hatte ich einen etwas anderen Eindruck, als ich aufgrund der Eckdaten erwartet hätte.

Die Ducati ist grundsätzlich handlich und lässt sich gut platzieren. Gleichzeitig fühlt sie sich für eine 250er nicht extrem nervös oder ultraleicht an. Bei schnellen Richtungswechseln spürte ich eine leichte Trägheit.

Das ist aber nicht zwingend negativ.

Denn genau auf der anderen Seite dieser Eigenschaft steht eine sehr gute Stabilität. Bei höherem Tempo vermittelt die Desmo250 MX viel Ruhe und Vertrauen. Das Motorrad liegt stabil und gibt dem Fahrer eine klare Rückmeldung.

Beim ersten Setup war mir das Heck allerdings zu tief. Nachdem wir die Einstellung des Federbeins beziehungsweise den Sag korrigiert und das Heck besser positioniert hatten, wurde das gesamte Motorrad deutlich ausgewogener.

Danach fühlte sich die Balance zwischen Vorder- und Hinterrad sehr gut an.

Auch ergonomisch habe ich mich schnell wohlgefühlt. Es gibt nichts, das den Fahrer gross einschränkt oder beim Bewegen auf dem Motorrad stört.

Elektronik, die tatsächlich funktioniert

Elektronik an einem Motocross-Motorrad polarisiert noch immer. Ducati geht hier aber konsequenter vor als viele andere Hersteller.

Die Desmo250 MX bietet unter anderem einstellbare Traction Control, verschiedene Motorcharakteristiken, Launch Control, Engine Brake Control sowie einen Quickshifter. Ducati hat speziell die Traktionskontrolle so entwickelt, dass sie auf den tatsächlichen Schlupf am Hinterrad reagiert.

Während meines Tests funktionierte das System sauber und unauffällig.

Und genau das ist für mich entscheidend: Elektronik darf beim Motocross nicht das Gefühl vermitteln, dass jemand zwischen Gasgriff und Hinterrad ständig mitdiskutiert. Alles, was ich während des Tests ausprobierte, funktionierte gut und störte den natürlichen Fahrfluss nicht.

Rennfertig aus der Kiste?

Nach zwei bis drei Stunden würde ich nicht behaupten, dass ich die Ducati morgen direkt nehmen und ohne weitere Abstimmungsarbeit damit am Startgatter stehen würde.

Dafür würde ich das Motorrad zuerst nochmals testen und das Setup genauer auf mich abstimmen.

Aber die Basis?

Die ist definitiv rennfähig.

Motor, Chassis, Fahrwerk, Bremsen und Elektronik bilden bereits beim Serienmotorrad ein sehr komplettes Paket. Vor allem die Spitzenleistung und der enorme nutzbare Drehzahlbereich haben mich beeindruckt.

Die Ducati verlangt allerdings nach einem bestimmten Fahrstil. Für mich liegt der grösste Kritikpunkt darin, dass man den Motor relativ hoch drehen muss. Ganz unten hätte ich mir mehr Druck gewünscht.

Wer sich daran gewöhnt und die Desmo250 MX dort bewegt, wo ihr Motor leben will, bekommt jedoch ein sehr interessantes Rennmotorrad.

Fazit

Ducati ist mit der Desmo250 MX nicht einfach in die MX2-Klasse gekommen, um auch noch eine rote 250er im Verkaufsraum stehen zu haben.

Das Motorrad hat einen klaren eigenen Charakter.

Die Desmo250 MX ist stabil, gut ausbalanciert, elektronisch extrem umfangreich ausgestattet und besitzt einen Motor, dessen Stärke eindeutig im oberen Drehzahlbereich liegt.

15'000 Touren auf dem Weg zu einem Sprung – und trotzdem kein spürbarer Leistungseinbruch. Genau dieser Moment ist mir von diesem Test am stärksten geblieben.

Die 250er verlangt Drehzahl und einen aktiven Fahrstil. Wer das mag, findet hier ein Motorrad mit viel Potenzial.

Und vor allem eines steht nach Faenza fest: Ducati meint es mit Motocross verdammt ernst.

Test/Fahrbericht: Loris Freidig